02 Aug 2012,

10:01 – Am zweiten Tag ist der Rummel weniger, die Straße ist gesperrt, aber es sind weniger Polizisten da. Man kommt ohne überflüssige fragen rein. Beim Gericht steht ein Protestierender.

 

10:02 – Es erscheint ein zweiter Protestierender mit einem Plakat „Euer Ehren, wo ist Ihre Ehre?“

 

10:02 – Foto- und Filmkorrespondenten werden heute nicht eingelassen, da sich wegen ihrer Arbeit der Prozess verzögert. . Bislang sind an die zwanzig Journalisten im Gericht.

 

10:02 – Die Frauen sind vor etwa zwanzig Minuten gebracht worden. Die Kameraleute, die nicht in den Saal dürfen, mussten sich mit den Aufnahmen, wie die frauen aus dem Gefangenentransporter geführt werden, begnügen.

 

31 Jul 2012,

10:31 – Die Sicherheitsmaßnahmen vor dem Gebäude des Chamovnikij-Gerichtes sind traditionell verstärkt. Aber die Journalisten werden noch vor dem Beginn der Verhandlung eingelassen.

 

10:32 – An den Türen herrscht Gedränge. Ein Dutzend Mitglieder einer Sondereinheit schieben sich durch die Journalisten ins Gebäude.

 

10:33 - Die Pressesprecherin verspricht, dass die Verhandlung in dem großen Gerichtssaal stattfinden wird, in dem der Prozess gegen Chodorkovskij verhandelt wurde. In diesem Fall haben alle Journalisten eine Chance hineinzugelangen – oder wenigstens die Mehrheit.

 

25 Jul 2012,

Das Gericht hat festgesetzt, dass die Frauen sich bis zum 27.07. mit den Akten vertraut machen können. Das heißt, sie werden um 5:00 morgens geweckt und kommen um 23:00 zurück.

Das heißt, dass sie in einem stickigen, nach Benzin stinkenden Gefangenentransporter mit anderen Gefangenen ins Gericht gebracht werden. Und dort ohne Wasser und Essen in einem Käfig eingesperrt werden.

Und so fünf Tage lang. Das heißt, dass sie nicht mit den Anwälten allein und vertraulich an dem Fall arbeiten dürfen, sogar zur Toilette werden sie mit einem Wachhund gebracht.

Um den Käfig sitzen ständig 8 Bewacher mit Waffen. Wir haben gestern entschieden, diese milde Gabe des Gerichtes zurückzuweisen und uns einfach so auf den Fall vorzubereiten.

29 Apr 2012,

29/04/2012
Unten folgt die offizielle Antwort von Pussy Riot auf die Kommentare von D.A. Medvedev zu den Zielen, die die Mitglieder unserer Gruppe erreicht haben. Diese Kommentare hatte der Präsident der Russischen Föderation am 26. April 2012 während eines gemeinsamen Fernsehinterviews von fünf Sendern gegeben.
Die Antwort der Band wurde aufgesetzt, nachdem der Präsident sich geweigert hatte, die offensichtlichen Rechtsverletzungen im Fall Pussy Riot zu prüfen, auf die ihn Nadezhda Tolokonnikova und Marija Alechina, die im Untersuchungsgefängnis Nr. 6 „Petchatniki“ sitzen, in kurzen Mitteilungen aufmerksam gemacht hatten
 
„Freiheit – das ist, wenn du den Vatersnamen des Tyrannen vergisst.“
Joseph Brodsky, 1975
 
„Freiheit – das ist so ein einzigartiges Gefühl, dass jeder Mensch es auf seine Art auffasst.“

14 Apr 2012,

Jetzt und immer bin ich davon überzeugt, dass der Glaube, egal wie er ist, etwas sehr persönliches und nicht politisch ist. Etwas kindliches, inneres, das Kraft gibt. Kein Instrument der Manipulation, keine Waffe, sondern ganz im Gegenteil etwas, das die Waffen besiegt.
Es ist recht schwierig, sich der direkten Frage ausgesetzt zu sehen „Glaubst Du denn an Gott? Jetzt sag schon, glaubst Du an das Gottesgericht?“; weil ich selbst nie diese Frage stellen würde. Die Verwurzelung in der christlichen Kultur und das Bewusstsein davon ist der vorrangige Grund, solche Fragen nicht zu stellen. Aber im Gefängnis reicht das nicht, hier antwortet niemand auf Gegenfragen über Gott. Deswegen habe ich mich entschieden, diesen offenen Brief an die Gläubigen zu schreiben. Es ist ein wenig absurd – zum Teil schreibe ich damit auch an mich selbst.

08 Apr 2012,

Aufruf
an alle, die Russland lieben.
 
05. April 2012
 
Unsere lieben Brüder und Schwestern!

08 Apr 2012,

Wenn die Impfung fehlt die Wahrheit perspektivistisch zu verstehen, sich vorzustellen dass sie vom gewählten Bezugssystem und der Sprache abhängt, in denen diese Wahrheit festgestellt und formuliert wird, dann führt das zu Besonderheiten der Wahrnehmung wie Sexismus, Altersdiskriminierung, Xenophobie und der Weigerung, nicht klassische Praktiken und die Lebenswelten einzelner Gruppen, die sich im Hinblick auf normative Werte und Besonderheiten im Stil unterscheiden, zu respektieren. Wer über die Aktivistinnen von Pussy Riot urteilt, bewertet ihre Tätigkeit von oben herab mit einem unkritischen Verständnis von Wahrheit und nimmt deshalb an, dass es nur eine Wahrheit gibt und nur sie, die Urteilenden,  das Recht haben, diese Wahrheit festzulegen. Ich nenne diese Wahrheit patriarchal, sexistisch, homophob, xenophob, traditionalistisch und fundamentalistisch.

04 Apr 2012,

Amnesty International
Presseerklärung, 03. April 2012
Amnesty International ruft dazu auf, die drei jungen Frauen, die vom russischen Staat als Teilnehmerinnen der Punk-Band Pussy Riot verhaftet wurden, die am 21. Februar ein Protestlied in der Christi-Erlöser-Kirche gesungen hatte,  sofort und bedingungslos frei zu lassen.
 
Einige Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot sangen mit  unter Masken verborgenen Gesichtern in der Kirche ein Protestlied mit dem Titel „Mutter Gottes, vertreibe Putin“. Danach verhaftete der russische Staat am 04. März Marija Alechina und Nadezhda Tolokonnikova und am 15. März Ekaterina Samutsevitch, wobei er behauptete, dass genau sie die maskierten Personen gewesen seien. Obwohl alle drei Frauen bekennen, zu der Gruppe Pussy Riot zu gehören, bestreiten sie, an der Aktion in der Christi-Erlöser-Kirche beteiligt gewesen zu sein.

04 Apr 2012,

Zu einem Monat Haft
3. April 2012
Wer hat Angst vor dem Gefängnis? Wir oder die, die befohlen haben uns hier reinzustecken in dem Versuch uns zum Schweigen zu bringen? Ein Schritt ist es vom asketischen Leben eines Aktionisten ins Gefängnis  - und ein Schritt vom Besitz aller Reichtümer der Welt. Wer hat einen Vorteil? „Zufrieden ist der, der genügsam ist“, - wenn die Daoisten recht haben, sind wir das.
Mein Leben, meine Erfahrung sind mein Besitz, meine Welt, das von mir Erworbene, das Vorbereitete. Danke an alle, die Bürgerpolitik, Punk, Feminismus und Aktionismus hassen, danke dafür, dass wir reicher wurden.

02 Apr 2012,

Nun, was also? Mein erzwungenes Schweigen (hervorgerufen durch die unablässigen Verhandlungen über das Schicksal der Mandantinnen) ist beendet. Sie verstehen selbst, jedes unvorsichtig geäußerte Wort kann sich auf das Schicksal Nadjas und der anderen im „Fall Pussy Riot“ Beschuldigten auswirken. Derzeit befinden wir, die Gruppe der Anwälte in dem Fall, uns in einer unsichtbaren Umklammerung mit den Ermittlern. Die Frauen werden gegen ihren Willen zu Bekenntnissen „gepresst“. Genau dafür war die Maßnahme der Untersuchungshaft notwendig. Wofür sonst? Denn im letzten Monat haben die Ermittler keine Prozesshandlungen durchgeführt, die für die Klärung des Falles von Bedeutung gewesen wären. Was hätte die Arbeit behindert, wenn die Mandantinnen in Freiheit gewesen wären?