Sergey Chemov. The St.Petersburg Times. Veröffentlicht 04.04.12 -
Pussy Riot standen unerwartet im Mittelpunkt der Tallinner Musik-Woche, als der estnische Präsident Hendrik Toomas Ilves, der auf dem größten baltischen Musikindustrieforum am Freitag im Nordic Hotel Forum der estnischen Hauptstadt eine Rede hielt, zur Unterstützung der Musikerinnen sprach. Die mutmaßlichen Mitglieder der Moskauer feministischen Punk-Band wurden letzten Monat verhaftet nachdem sie ein gegen Putin gerichtetes ‚Punk-Gebet‘ in einer Kirche durchgeführt hatten.
Die Äußerung zur Verteidigung der Frauen kam am Ende von Ilves‘ Rede, die der Verbindung zwischen Rock and Roll und Freiheit gewidmet war.
In seiner Rede vor den Delegierten zeigte Ilves weitreichendes Wissen über Musik, zitierte Neil Young, die Sex Pistols, und PJ Harvey und nahm sowohl auf MC5 und Jello Biafra als auch auf die Tschechische Underground-Art-Rock-Band Plastic People of the Universe, deren Mitglieder wegen „organisierter Störung des Friedens“ nach einem nicht genehmigten Rockfestival 1976 inhaftiert wurden, Bezug.
„ Es gibt genau jetzt eine Band in Moskau, die gegen den Premierminister aufbegehrt“, sagte Ilves.
„Vier Frauen, die sich Pussy Riot nennen, und als Ergebnis ihres Protestes in einer Kirche wurden sie verhaftet. Sie werden ohne Kaution für zwei Monate festgehalten und sie werden zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt werden. Sehr junge Frauen in ihren Zwanzigern, sie haben kleine Kinder. Sie sehen, Rock and Roll – mit all diesen Klischees zu seinem subversiven Charakter – ja, er ist subversiv und an einigen Orten wird diese Subversivität ernst genommen. Um Ihnen zu zeigen, wofür man sieben Jahre in einem russischen Gefängnis kriegen kann, schalte ich es [das Protestvideo] an. Behalten sie im Hinterkopf, dass nicht alles Spaß ist-„
Als das Pussy Riot-Video von der Performance von „Mutter Gottes, Jungfrau, vertreibe Putin“ in der Christi Erlöser-Kirche in Moskau auf dem Bildschirm gezeigt wurde, setzte sich Ilves in die erste Reihe, zwischen den bekannten Moskauer Musikjournalisten und Promoter Artem Troitsky und den estnischen Kulturminister Rein Lang – einst ein Promoter für Underground- Rockkonzerte.
Das Thema Pussy Riot und Freiheit in Russland wurden von Troitsky aufgenommen, der vor den Delegierten von Tapio Korjus vom unabhängigen finnischen Plattenlabel Rockadillo Rcords interviewt wurde.
Während des Gespräches, das diverse musikalische Aktivitäten und die Geschichte der russischen Rockmusik umfasste, spielte Troitsky, der als Komponist und Underground-Promoter in der Sowjetunion der 70-er Jahre begonnen hatte, Peter Gabriels Video, dass an die Protestierenden in Moskau gerichtet war. Der britische Musiker hatte das Video zu Beginn der Proteste gegen den Wahlbetrug und vor den Präsidentschaftswahlen am 04.März gemacht. Troitsky kündigte ebenfalls an, dass am Sonntag in Tallin ein Konzert zur Verteidigung von Pussy Riot stattfinden wird.
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